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Entwicklungszusammenarbeit

Verwandte Begriffe
Entwicklungshilfe
technische Zusammenarbeit
Kurzbeschreibung
Zusammenarbeit von Industrieländern und Entwicklungsländern, um soziale, ökologische und wirtschaftliche Fortschritte zu erreichen
Ausführliche Beschreibung

Entwicklungszusammenarbeit bezeichnet die Zusammenarbeit von Industrieländern und Entwicklungsländern, um soziale, ökologische und wirtschaftliche Fortschritte in einzelnen Ländern, aber auch weltweit zu erreichen. In vielen Fällen schließt Entwicklungszusammenarbeit an die Nothilfe in Krisensituationen an, wie zum Beispiel Flüchtlings-, Hunger-, Katastrophen- und humanitäre Hilfe. Während die Nothilfe kurzfristig erfolgt und darauf gerichtet ist, die Opfer umgehend mit dem Notwendigsten zu versorgen und Leben zu retten, wurde Entwicklungszusammenarbeit als Aufbauhilfe und Unterstützung für Entwicklungsländer konzipiert, die langfristige, nachhaltige Ziele verfolgt und strukturelle Änderungen beabsichtigt, zum Beispiel im Bereich Infrastruktur, Bildung und Wirtschaft. Die Zusammenarbeit soll sich an den Grundprinzipien „Hilfe zur Selbsthilfe“ und einer partnerschaftlichen Beziehung zwischen Geber- und Nehmerländern orientieren. (1)

Im Rahmen der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) haben die Industrieländer als Geberländer Kriterien für die Entwicklungszusammenarbeit definiert:

  1. Die Leistungen müssen Entwicklungsländern bereitgestellt werden, definiert nach der Liste der OECD, die im Wesentlichen auf dem Wohlfahrtsindikator „Pro-Kopf-Einkommen“ (Bruttonationaleinkommen/BNE geteilt durch die Bevölkerungszahl) basiert.
  2. Die Leistungen müssen der wirtschaftlichen Entwicklung oder der Verbesserung des Lebensstandards in Entwicklungsländern dienen.
  3. Bei den Leistungen muss es sich um Zuschüsse (reine Schenkungen ohne Rückzahlung) oder vergünstigte Darlehen (Zuschuss von mindestens 25%) handeln. (2)

Seit seinen Anfängen in den 1950er/60er-Jahren steht das Konzept der Entwicklungszusammenarbeit auch in der Kritik. So wird zum Beispiel argumentiert, die langfristige Wirksamkeit der Maßnahmen sei ungeklärt oder die Hilfsmaßnahmen würden wichtige traditionelle Strukturen vor Ort zerstören. Gegenwärtig unterliegt die Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungspolitik einer grundlegenden Neuorientierung und Umgestaltung angesichts der globalen Herausforderungen. (4) Es wird davon ausgegangen, dass weiterhin eine Kerngruppe von armen und/oder fragilen Ländern auf wirksame Entwicklungszusammenarbeit im bisherigen Verständnis angewiesen ist, Entwicklungszusammenarbeit aber künftig stärker dazu eingesetzt wird, um auf akute Krisenerscheinungen und die Bearbeitung von Konflikt- und Fluchtursachen einzugehen. Zudem wird die Bedeutung von internationalen Kooperationen und grenzüberschreitenden Netzwerken mit (weiter fortgeschrittenen) Entwicklungsländern zunehmen, damit gemeinsam sinnvolle Lösungen für globale Herausforderungen wie den Klimawandel, internationale Sicherheit und weltweite Pandemien entwickelt werden können. (5)

Ein erneuertes Konzept der Entwicklungszusammenarbeit wird im Rahmen politischer Bildung im Globalen Lernen und einer Bildung für nachhaltige Entwicklung aufgenommen.

Ein Schwerpunkt der internationalen und deutschen Entwicklungspolitik ist die Bildungsförderung.

Hintergrund ist, dass Bildung ein Menschenrecht ist und mit wichtigen Entwicklungschancen für den Einzelnen und die Gesellschaft verbunden ist. Bildung ist die Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung, eine Verringerung der weltweiten Armut und ein friedliches Zusammenleben. Sie befähigt Menschen, ihre politische, soziale, kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation zu verbessern. Allerdings gibt es gegenwärtig laut UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) in vielen Ländern dieser Erde noch einen hohen Anteil an Jugendlichen und Erwachsenen, die nicht lesen und schreiben können, und viele Kinder haben keine Möglichkeit zum Schulbesuch. Vor diesem Hintergrund hat sich die internationale Gemeinschaft dazu verpflichtet, die Bildungssituation weltweit zu verbessern. In der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung wird als viertes Entwicklungsziel formuliert: „Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern“.

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Bildungsförderung in der Entwicklungszusammenarbeit an den international vereinbarten Zielen orientiert, die das Leitbild des lebenslangen Lernens zugrunde legen. Demnach muss es jedem Menschen von der Kindheit bis ins hohe Alter möglich sein, Wissen und Fähigkeiten zu erwerben. Bildungsförderung ist ganzheitlich auszurichten und sollte alle Lebensphasen umfassen. (3)

Im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit spielen zivilgesellschaftliche Akteure wie Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen eine zentrale Rolle,  etwa durch die Unterstützung von Projekten oder Bildungsstipendien für die Schul- und Berufsausbildung junger Menschen in Entwicklungsländern. Für das Gelingen der Entwicklungszusammenarbeit ist aber auch die Einbindung zivilgesellschaftlicher Netzwerke vor Ort von entscheidender Bedeutung. Internationale Zusammenarbeit und erfolgreiche Entwicklungsprozesse lassen sich nur in gemeinsamer Anstrengung von Zivilgesellschaft, Staat und Wirtschaft gestalten. (6)

Dieser Begriff beschreibt eines der Handlungsfelder der Teilhaber im Netzwerk Stiftungen und Bildung (siehe Nettie-Finder).

Quellen:

(1) Brühl Stiftung: Wissen Sie, was Humanitäre Hilfe von Entwicklungszusammenarbeit trennt?, 3.2.2013, URL: https://www.bruehl-stiftung.de/2013/02/03/was-der-unterschied-zwischen-humanit%C3%A4rer-hilfe-und-entwicklungszusammenarbeit-ist/ (Zugriff: 10.4.2018).

(2) OECD/DAC: Report on Aid Predictability 2012, S. 289 ff.

(3) Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Bildung – ein Menschenrecht, URL: https://www.bmz.de/de/themen/bildung/hintergrund/index.html (Zugriff: 10.4.2018).

(4) Stephan Klingebiel: Entwicklungszusammenarbeit – eine Einführung. Studie des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE Studies). Bonn 2013, S. 76.

(5) Stephan Klingebiel: Transformation der Entwicklungszusammenarbeit. Neuorientierung im Kontext von Krisen und strukturellem Wandel. In: Eine Welt. Entwicklungspolitische Bildung in der Diskussion. In: Außerschulische Bildung. Zeitschrift der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung 2/2016, S. 4-10.

(6) Deutsches Stiftungszentrum: Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit, URL: https://www.deutsches-stiftungszentrum.de/leistungen/entwicklungszusammenarbeit (Zugriff: 29.4.2018).

Zuletzt bearbeitet: 18. Juni 2018