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Bildungsmanagement

Kurzbeschreibung
Gestaltung, Steuerung und Entwicklung von Systemen, die dem Zweck der Bildung dienen
Ausführliche Beschreibung

„Bildungsmanagement bezeichnet die Gestaltung, Steuerung und Entwicklung von sozio-technischen Systemen, die dem Zweck der Bildung von Menschen mit dem Ziel der Urteils- und Handlungsfähigkeit dienen.“ (2) Bildungsmanagement beinhaltet einen personenbezogenen Aspekt (Führung) und einen sachbezogenen Aspekt (Leitung, Organisation, Planung), wobei beide Aspekte vielfältig miteinander verschränkt sind.

Bildungsmanagement umfasst zwei Handlungsebenen:

  • Bildungsbetriebsmanagement: bezeichnet die Leitung und Führung von Bildungseinrichtungen, also die Steuerung und Gestaltung von organisatorischen, personellen und finanziellen Rahmenbedingungen einer Bildungseinrichtung (zum Beispiel Organisationsentwicklung, Personalmanagement, Controlling, Marketing);
  • Bildungsprozessmanagement: legt den Fokus auf das eigentliche Lerngeschehen bzw. das Management der angebotenen Bildungsdienstleistungen und -produkte. (1)

Da sich die lernenden Subjekte Bildung selbsttätig aneignen, kann Bildung im engeren Sinne nicht über Management gesteuert und gestaltet werden. Eine Bildungseinrichtung bietet jedoch nicht Bildung selbst, sondern Unterstützung bei Bildungsprozessen an. Zum einen kann die Bildungsorganisation, zum anderen Bildung als Dienstleistung gemanagt werden. Allerdings unterscheiden sich Bildungsdienstleistungen von anderen Dienstleistungen, unter anderem durch das hohe Maß an Mitwirkung der Lernenden. Zur Entwicklung eines tragfähigen Konzeptes für Bildungsmanagement können daher Managementkonzepte aus den ökonomischen Wissenschaften nicht unkritisch übernommen werden. Es ist notwendig, das Spezifikum von Leitungsaufgaben im Bildungsbereich herauszuarbeiten und ein eigenes Modell für Bildungsmanagement zu erstellen. (2)

In einem Modell für das Bildungsprozessmanagement wird ein Handlungszyklus zugrundegelegt, der von der Bildungsbedarfsanalyse über Programmplanung, Veranstaltung, Prüfung, Transfersicherung, Evaluation bis zur Programmrevision reicht. (1)

In lokalen Bildungslandschaften übernimmt Bildungsmanagement eine wichtige Rolle, um die Kooperation und Vernetzung verschiedener Bildungsakteure zu unterstützen: „Ein Erfolg versprechendes Bildungsmanagement hat die Aufgabe, die vielfältigen Bildungs- und Beratungsangebote sowie die zahlreichen Initiativen in den verschiedenen Aktionsfeldern aufeinander abzustimmen und zu koordinieren. Durch geeignete Organisationsformen sind die Prozesse zielgerichtet zu steuern. Dabei muss ein kohärentes kommunales Bildungsmanagement die unterschiedlichen Zuständigkeits- und Handlungsebenen integrieren. (...) Dieser Managementansatz steht über den Interessen einzelner Bildungsinstitutionen. Er dient vor allem dazu, die unterschiedlichen Zuständigkeiten für die Bildung in der Region zusammenzuführen. Damit wird die Qualität der Bildungsangebote vor Ort gestärkt, das Erreichen von Zielgruppen verbessert und das Zusammenwirken der Akteure erleichtert.“ (3)

Eine wichtige Grundlage für lokale Bildungslandschaften ist der Aufbau eines datenbasierten kommunalen Bildungsmanagement das Bildung über alle Lebensphasen hinweg in den Mittelpunkt rückt und mit vielen Akteuren gemeinsam vor Ort neue Prozesse anstößt. Zur Steuerung und Koordination der Bildungsangebote ist ein fortlaufender Analyseprozess der Daten und Fakten der jeweiligen Bildungssituation vor Ort durch Bildungsmonitoring notwendig. Nur durch eine gezielte Zusammenführung aller Bildungsakteure und der Datenlage vor Ort lässt sich ein schlüssiges Bildungsmanagement entwickeln. Das zeigen auch die Erfahrungen von Kommunen, die im Rahmen des Bundesprogramms "Lernen vor Ort" (2009 bis 2014) gemeinsam mit lokalen Stiftungen erfolgreiche Modelle zum kommunalen Bildungsmanagement entwickelt haben. (4) Im Rahmen dieses Programms sind Transferagenturen entstanden, die Konzepte kommunalen Bildungsmanagements bundesweit allen interessierten Kommunen zur Verfügung stellen. Sie beraten und unterstützen, bieten aber auch Bedarfsanalysen und Qualifizierungsangebote an. (5)

Dieser Begriff beschreibt eines der Handlungsfelder der Teilhaber im Netzwerk Stiftungen und Bildung (siehe Nettie-Finder).

Quellen:

(1) Prof. Dr. Ulrich Müller, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, Institut für Bildungsmanagement: Bildungsprozessmanagement, URL: http://www.bildungsprozessmanagement.de/index.php/bildungsprozessmanagement.de_%c3%9cber_bildungsprozessmanagement.html (Zugriff: 22.3.2018).

(2) Ulrich Müller: Kann man Bildung managen? In: Gerd Schweizer/Ulrich Müller/Thomas Adam (Hrsg.): Wert und Werte im Bildungsmanagement. Nachhaltigkeit – Ethik – Bildungscontrolling. Bielefeld 2010, S. 13-26 (18), URL: https://www.pedocs.de/.../Mueller_2010_Kann_man_Bildung_managen_D_A.pdf (Zugriff: 25.3.2018).

(3) Bundesministerium für Bildung und Forschung: Aktionsfeld Kommunales Bildungsmanagement, URL: http://www.lernen-vor-ort.info/de/270.php (Zugriff: 25.3.2018).

(4) Sabine Süß/Stiftungsverbund Lernen vor Ort (Hrsg.): Bildung ist Gemeinschaftsaufgabe. Stiftungen und ihr Beitrag zu einem kommunalen Bildungsmanagement. Berlin 2015

(5) Bundesministerium für Bildung und Forschung: Gemeinsam kommunale Bildungslandschaften gestalten, URL: http://www.transferinitiative.de/ (Zugriff: 25.3.2018).

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Zuletzt bearbeitet: 18. Juni 2018