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Persönlichkeitsentwicklung

Verwandte Begriffe
Persönlichkeitsreifung
Kurzbeschreibung
Veränderung der Persönlichkeit eines Menschen über die gesamte Lebensspanne
Ausführliche Beschreibung

Persönlichkeitsentwicklung bezeichnet die Veränderung der Persönlichkeit eines Menschen über die gesamte Lebensspanne. Dabei beeinflussen sowohl genetische Faktoren als auch die Lebenswelt diese Entwicklung in einer komplexen, wechselseitigen Beziehung. In der Wissenschaft wird davon ausgegangen, dass die Persönlichkeit im Laufe des Lebens von Veränderung und Kontinuität gekennzeichnet ist. Die Merkmale einer Persönlichkeit werden als individuelle Besonderheiten im zwischenmenschlichen Vergleich bestimmt. Wenn ein Mensch relativ stabile, konsistente Muster des Fühlens, Denkens und Verhaltens aufweist, können diese als Teil der menschlichen Persönlichkeit verstanden werden. (1)

Im Rahmen eines ganzheitlichen Begriffes von Bildung spielt Persönlichkeitsentwicklung im gesamten Bildungssystem über die individuelle Bildungsbiografie hinweg (lebenslanges Lernen) eine zentrale Rolle. Sie betrifft alle Bildungsformen und findet in Institutionen formaler Bildung statt, entwickelt sich oft aber auch in non-formalen und informellen Bildungsprozessen, etwa bei Weiterbildung oder ehrenamtlichem Engagement.

Persönlichkeitsentwicklung war schon immer ein Schlüsselthema der Bildung, da sie maßgeblich über die Lebenschancen und die gesellschaftliche Teilhabe eines Menschen entscheidet. Angesichts der digitalen Transformation, Prozessen der Globalisierung, der großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimawandel oder Ressourcenknappheit sowie zunehmend vielfältigeren Gesellschaften durch weltweite Migration wird Persönlichkeitsbildung ein immer höherer Stellenwert eingeräumt. 

In einer digitalen, globalen Welt braucht es mündige Bürgerinnen und Bürger, die sich durch Kreativität, die Fähigkeit zur Selbstbildung, Reflexionsfähigkeit  und Urteilskraft auszeichnen und zur Kooperation und Kollaboration bereit sind. Sie müssen über die erforderlichen Kompetenzen für einen produktiven Umgang mit gesellschaftlicher Diversität verfügen, was interkulturelle Bildung befördern kann. Alle Bildungsinstitutionen haben die Aufgabe, neben der Vermittlung von fachlichem Wissen und berufsbezogenen Kompetenzen auch für werteorientiertes Lernen zu sorgen: Die Menschen müssen in die Lage versetzt werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, das  Empathie und gesellschaftliche Verantwortung einschließt und zugleich die Orientierung in einer zunehmend komplexeren, unübersichtlichen Welt stärkt. Hier kann auch kulturelle Bildung einen wichtigen Beitrag leisten. (2)

Persönlichkeitsentwicklung in der Bildung kann wirksam unterstützt werden, wenn der einzelne Mensch mit seinem Charakter und seinen individuellen Fähigkeiten in den Mittelpunkt gestellt wird. In Institutionen formaler Bildung wie der Schule geht es darum, die Begabungen der Lernenden zu entdecken, Spielräume für individualisierte Lernprozesse zuzulassen und diese mit (bewältigbaren) Herausforderungen zu verbinden. Die Lehrpersonen begleiten die Lernprozesse und unterstützen den Prozess der Selbstreflexion der sich bildenden Personen, die ihre Potenziale entfalten und ihre Persönlichkeit weiterentwickeln können. (3)  

Einen zentralen Stellenwert bei der Persönlichkeitsbildung hat die individuelle Förderung: Die Menschen werden in ihren Bildungsprozessen – entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten – so unterstützt, dass sie ihre persönlichen Stärken bestmöglich entfalten können.

Während Begabungsförderung auf die individuelle Förderung aller Lernenden gerichtet ist, widmet sich die Begabtenförderung als ein Teil der Begabungsförderung vorwiegend auf überdurchschnittlich begabte und leistungsstarke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, um ihre Talente und die Entfaltung ihrer Potenziale gezielt zu unterstützen. In der Bundesrepublik Deutschland sind zahlreiche öffentliche und private Stiftungen in der Begabtenförderung aktiv, etwa durch die Vergabe von Stipendien an leistungsstarke Schülerinnen und Schüler, an Studierende oder junge Menschen mit beruflichem Abschluss zur Weiterqualifikation. (4)

Dieser Begriff beschreibt eines der Handlungsfelder der Teilhaber im Netzwerk Stiftungen und Bildung (siehe Nettie-Finder).

Quellen:

(1) Humboldt-Universität zu Berlin: Fachgebiet Persönlichkeitsentwicklung, URL: https://www.psychologie.hu-berlin.de/de/prof/perdev/fachgebiet_entw_per (Zugriff: 1.5.2018).

(2) Bildung & Begabung: Die Persönlichkeit ist der Schlüssel, URL: https://www.bildung-und-begabung.de/news/2017-05-09-pb17-koeln (Zugriff: 1.5.2018).

(3) Bildung & Begabung: Persönlichkeit im Mittelpunkt. Interview mit Armin Hackl, https://www.bildung-und-begabung.de/magazin/theorie/themenschwerpunkt-qualifizierung/interview-hackl (Zugriff: 1.5.2018).

(4) Begabtenförderung durch Stiftungen und Förderungswerke, URL: https://www.genius-hochbegabung.de/stiftungen.htm (Zugriff: 1.5.2018).

Zuletzt bearbeitet: 07. Mai 2018