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Interkulturelle Bildung

Kurzbeschreibung
Befähigung von Menschen zur konstruktiven Auseinandersetzung mit kultureller Vielfalt
Ausführliche Beschreibung

Interkulturelle Bildung soll die Menschen dazu befähigen, sich mit kultureller Vielfalt konstruktiv auseinanderzusetzen. Die damit verbundenen Lernprozesse zielen auf das gegenseitige Verstehen und die Wertschätzung kultureller Andersheit, auf bereichernde Perspektivwechsel als Erweiterung der eigenen Wahrnehmung und einen toleranten Umgang miteinander. Eine solche Haltung trägt dazu bei, Diskriminierungen zu verhindern oder abzubauen und Gleichberechtigung zu unterstützen. Interkulturelle Bildung legt die Basis, um in einer kulturell vielfältigen Gesellschaft in gegenseitiger Achtung friedlich zusammenzuleben. (1)

Damit leistet sie einen wesentlichen Beitrag im Umgang mit Diversität und bei der Integration von Zugewanderten in einer multiethnisch, multikulturell und multireligiös geprägten Einwanderungsgesellschaft. Kulturelle Vielfalt bietet große Potenziale und Chancen für eine Gesellschaft, birgt aber auch das Risiko gegenseitiger Abschottung und tief greifender Konflikte. Vor diesem Hintergrund gewinnt interkulturelle Bildung für alle Mitglieder der Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Sie ist als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen. (2)

Interkulturelle Bildung wird aber auch vor dem Hintergrund von Globalisierung und Digitalisierung zunehmend wichtiger, da es immer häufiger zu interkulturellen Kontakten kommt, sei es im privaten oder beruflichen Zusammenhang, im In- oder Ausland, im Internet oder in persönlichen Begegnungen. Interkulturelle Kompetenzen können als Schlüsselqualifikation im 21. Jahrhundert gelten, weil sie Menschen in die Lage versetzen, in interkulturellen Situationen effektiv und angemessen zu agieren. Zu interkulturellen Kompetenzen gehören Kenntnisse und Erfahrungen über andere Kulturen, Einfühlungsvermögen in das Gegenüber sowie der kritische Umgang und die Reflexion eigener Bilder und Vorurteile gegenüber anderen Kulturen und Personen. Wichtig ist eine generell positive Haltung gegenüber interkulturellen Begegnungen  sowie das Hinterfragen der eigenen kulturellen Prägung. (3)

Als integraler Bestandteil von Bildung spielt interkulturelle Bildung in allen Bildungsformen und Lernwelten eine wesentliche Rolle. Besondere Potenziale der interkulturellen Verständigung bietet das bürgerschaftliche Engagement, da es die unmittelbare Teilhabe an kulturellen Prozessen ermöglicht und ein wichtiges Betätigungsfeld für Gemeinschaftsaktivitäten darstellt, um den Austausch kultureller Werte und Ausdrucksformen praktisch zu erfahren. (2) Von großer Bedeutung für interkulturelles Lernen sind auch interkulturelle Begegnungen, wie zum Beispiel internationale Veranstaltungen für Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, grenzüberschreitende Kooperationen im beruflichen Kontext, Schüleraustauschprogramme und Auslandsstudienaufenthalte von Studierenden in anderen Ländern.  

Wichtige Orte der interkulturellen Bildung sind Kultureinrichtungen und Institutionen der kulturellen Bildung, etwa Jugendkunstschulen und kulturpädagogische Einrichtungen, aber auch Bildungseinrichtungen zahlreicher anderer Akteure, etwa von Stiftungen oder Vereinen. Einen herausgehobenen Stellenwert hat die Institution Schule, da sie mit ihren Angeboten alle Kinder und Jugendlichen erreicht. Interkulturelle Bildung kann in künstlerische Schulfächer, aber auch in andere Fächer wie Ethik und Religion eingebettet sein. Im Mittelpunkt sollte die Wertschätzung und die Auseinandersetzung mit der Vielfalt der Kulturen und Traditionen stehen. Auch die Förderung der Mehrsprachigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil interkultureller Bildung. Unverzichtbar ist eine gezielte Aus- und Weiterbildung des pädagogischen Personals in interkulturellen Kompetenzen sowie die Entwicklung und Umsetzung neuer pädagogischer Handlungskonzepte für den Umgang mit Diversität. Eine interkulturelle Schulentwicklung ist gemeinsame Aufgabe aller schulischen Akteure in Zusammenarbeit mit den Eltern und außerschulischen Akteuren, etwa Kulturvereine, Stiftungen oder Migrantenorganisationen. (4)

In Einwanderungsländern, die von kultureller Vielfalt geprägt sind, ist die „interkulturelle Öffnung“ der Verwaltung von großer Bedeutung, um die Integration von Zugewanderten zu unterstützen. Dazu gehört die regelmäßige interkulturelle Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, doch muss darüber hinaus interkulturelle Kompetenz auch in den Strukturen der Verwaltung verankert und in das allgemeine Verwaltungshandeln (wie Planung oder Steuerung) integriert werden. (5)

Dieser Begriff beschreibt eines der Handlungsfelder der Teilhaber im Netzwerk Stiftungen und Bildung (siehe Nettie-Finder).

Quellen:

(1) Josef Freise: Interkulturelle Bildung in der Einwanderungsgesellschaft. DIE Report 29, 2/2006, http://www.die-bonn.de/doks/freise0601.pdf

(2) Deutscher Kulturrat: Interkulturelle Bildung – eine Chance für unsere Gesellschaft, Berlin, 18.06.2007, URL: https://www.kulturrat.de/positionen/interkulturelle-bildung/ (Zugriff: 25.4.2018).

(3) IKUD: Interkulturelles Lernen, 26.6.2011, URL: https://www.ikud-seminare.de/veroeffentlichungen/interkulturelles-lernen.html (Zugriff: 25.4.2018).

(4) Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 25.10.1996 i. d. F. vom 05.12.2013, https://www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/weitere-unterrichtsinhalte/interkulturelle-bildung.html

(5) Bundeszentrale für politische Bildung: Interkulturelle Öffnung der Verwaltung. Zuwanderungsland Deutschland in der Praxis, 22.1.2003, URL: http://www.bpb.de/veranstaltungen/dokumentation/130017/interkulturelle-oeffnung-der-verwaltung (Zugriff: 2.5.2018).

Zuletzt bearbeitet: 07. Mai 2018