Direkt zum Inhalt

Diversität

Verwandte Begriffe
Vielfalt
Heterogenität
Diversity
Kurzbeschreibung
Vielfalt der Menschen in einer Gesellschaft
Ausführliche Beschreibung

Diversität bezeichnet die Vielfalt der Menschen in einer Gesellschaft in Bezug auf Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, Weltanschauung oder Religion, ethnische Herkunft und Behinderung. Als politisches Konzept, das auch von der Europäischen Union als Leitbild formuliert wurde, zielt Diversität auf die Herstellung der Chancengleichheit von Gruppen, die aufgrund dieser Merkmale benachteiligt werden. Diversität steht dafür, Differenzen wertzuschätzen und als Ressource zu begreifen, die Einzigartigkeit von Individuen zu betonen und sich eindeutig gegen Diskriminierungen von Menschen aufgrund von Macht und Ungleichheitsstrukturen zu wenden. (1)

In der Bundesrepublik Deutschland ist im Grundgesetz festgehalten, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Art. 3 GG) Dieser Grundsatz findet seinen Ausdruck auch im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, das die Menschen vor Diskriminierung schützen soll.  

Seit den 1960er Jahren hat in der Bundesrepublik Deutschland die Diversität der Gesellschaft im Zuge von Individualisierungstendenzen und Migration immer mehr zugenommen. Dies zeigt sich unter anderem in einer Pluralisierung der Lebens- und Arbeitsformen, einem Wertewandel, neuen Wahrnehmungs- und Verhaltensmustern und wachsender kultureller Vielfalt. Gesellschaftliche Diversität birgt große Potenziale: Sie erweitert den Blick durch unterschiedliche Perspektiven und ist Quelle von Inspiration und Innovation. Sie ist aber auch mit Herausforderungen verbunden, da Unsicherheiten in einer Gesellschaft der Vielfalt bestehen, etwa im Umgang mit anderen Weltanschauungen, Lebensformen und kulturellen Traditionen.

Umso wichtiger ist es in Bildungskontexten, Vorurteile abzubauen und politische Bildungsarbeit zu leisten, die die Potenziale und Herausforderungen gesellschaftlicher Vielfalt veranschaulicht und die notwendigen Fähigkeiten im Umgang mit Diversität vermittelt. Es geht darum, Vielfalt in den verschiedenen Dimensionen (kulturell, religiös, sozial, sexuell, geschlechtlich, sprachlich, ethnisch, geistig und körperlich) zu lernen und zu leben. (1)

Beim professionellen Umgang mit Diversität in pädagogischen Kontexten bedarf es

  • einer Perspektive des Diversity Managements in der jeweiligen Bildungsorganisation (Schule, Hochschule, Bildungsträger etc.), indem die individuelle Verschiedenheit der Mitarbeitenden positive Wertschätzung erfährt und für den Erfolg der Organisation nutzbar gemacht wird; Ziel ist eine produktive Gesamtatmosphäre ohne soziale Diskriminierungen von Minderheiten und mit größtmöglicher Chancengleichheit;
  • einer Diversity Education, die Vielfalt und Inklusion in allen Bildungs- und Lernprozessen berücksichtigt;
  • einer Diversitätskompetenz, die eine reflexive Haltung, Fachkenntnisse und Methodenkompetenzen einschließt.

Ziel ist Bildung für alle, indem Diversität und Inklusion in allen Phasen der Bildungsbiografie verwirklicht wird. (2)

Die Pädagogik der Vielfalt stützt sich auf die Grundannahme, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben, aber jeder Mensch zugleich einzigartig und individuell ist. Dementsprechend werden Vielfalt und verschiedene Lebensweisen als Reichtum aufgefasst und wertgeschätzt und die Menschen in ihrer Vielschichtigkeit, Einmaligkeit und Besonderheit wahrgenommen und anerkannt. Wichtig ist der Zusammenhang mit demokratischen Bildungsprinzipien: Bei unterschiedlichsten Voraussetzungen (etwa mit/ohne Migrationshintergrund oder Behinderung) kommt es darauf an, jedem Individuum die gleichen Bildungschancen zu eröffnen und Modelle des Zusammenlebens zu entwickeln, die für eine vielfältige, demokratische Gesellschaft nötig sind. Unterschiede werden dabei nicht als Defizit oder Bedrohung, sondern als Bereicherung wahrgenommen (3).

Dieser Begriff beschreibt eines der Handlungsfelder der Teilhaber im Netzwerk Stiftungen und Bildung (siehe Nettie-Finder).

Quellen:

(1) Bundeszentrale für politische Bildung: Gesellschaft der Vielfalt, 15.12.2017, URL: https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/260265/lernen-und-lehren-in-einer-gesellschaft-der-vielfalt (Zugriff: 15.03.2018).

(2) Isabel Sievers, Leibniz Universität Hannover, Vortrag 20.03.2014: Diversität. Hintergründe, Chancen und Herausforderungen diversitätssensibler Ansätze.

(3) Annedore Prengel: Pädagogik der Vielfalt. Wiesbaden 2006.

Zuletzt bearbeitet: 07. Mai 2018