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Zivilgesellschaft

Verwandte Begriffe
Bürgergesellschaft
Kurzbeschreibung
Gesellschaftliche Organisationsform jenseits von Markt, Staat und Privatsphäre
Ausführliche Beschreibung

Unter Zivilgesellschaft wird eine gesellschaftliche Organisationsform jenseits von Markt, Staat und Privatsphäre verstanden. Es handelt sich um einen Bereich, in dem freiwillige Vereinigungen wie Vereine, Stiftungen, Initiativen, Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) und Nonprofit-Organisationen (NPOs) tätig sind. Die Ziele und Zwecke zivilgesellschaftlicher Akteure richten sich auf allgemeingesellschaftliche Probleme, aber auch auf Anliegen und Bedürfnisse spezieller Gruppen, und sie können lokale, regionale oder internationale Themen betreffen. Zivilgesellschaft bildet somit den Rahmen, innerhalb dessen sich bürgerschaftliches Engagement entfalten kann. (1)

Akteure der Zivilgesellschaft hinterfragen den Status quo der Demokratie und prägen  daher maßgeblich das kritische Selbstverständnis einer Gesellschaft. Zivilgesellschaftliches Engagement ist somit mit der Erwartung verbunden, ein Mehr an Demokratie und sozialer Gerechtigkeit wie auch an gesellschaftlicher Rückkoppelung politischer Entscheidungsfindungsprozesse zu garantieren. (2) Zivilgesellschaftliche Aktivitäten spielen aber auch im Kontext von Lernen und Bildung eine zentrale Rolle. Sie tragen dazu bei, einen erweiterten Begriff von Bildung in der Gesellschaft zu etablieren, der alle Bildungsformen einschließt – nicht nur formale, sondern auch non-formale und informelle Lernorte und Bildungsprozesse. Bildung wird als ein lebenslanger Lernprozess in gemeinschaftlicher Verantwortung staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure verstanden. Damit steigen auch die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Aktivitäten und das bürgerschaftliche Engagement im Kontext von Bildung.

Das Bildungspotenzial der Zivilgesellschaft und des bürgerschaftlichen Engagements bezieht sich auf zwei Ebenen:

  • Auf der strukturellen Ebene spielen zivilgesellschaftliche Akteure als Träger von Bildungseinrichtungen und damit als Anbieter von formalen und non-formalen Bildungsangeboten eine wichtige Rolle. Neben der formalen Bildung (zum Beispiel Kita, Schule, betriebliche Ausbildung, Hochschule, Weiterbildung) bieten vor allem  die non-formalen Angebote (zum Beispiel Vereine, Jugendzentren, Kirchen, Kultureinrichtungen) für viele Menschen Orte der Alltagsbildung und Gelegenheiten für lebensweltlich-informelle Bildungsprozesse. (3)
  • Zivilgesellschaftliches Engagement zeigt sich auch auf der Ebene der individuellen Akteure: bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bildungsangebote und in den Bildungsinstitutionen, aber auch bei den freiwillig Engagierten. Diese Personen sind nicht nur in der Vermittlung von Bildung tätig, etwa als Lehrende oder als Gruppenleitung im Sportverein, sondern sie unterstützen Bildungsprozesse in vielfältiger Weise, etwa Eltern durch die Unterstützung von konkreten Schulprojekten, bürgerschaftlich Engagierte als Mentorinnen oder Mentoren beim Übergang Schule-Beruf oder Ehrenamtliche in Vereinen, die sich für die Integration von Zugewanderten einsetzen. (3)

Zivilgesellschaftliche Akteure sind auch maßgeblich am flächendeckenden Ausbau des schulischen Ganztags beteiligt, wenn sich Schule in den Sozialraum öffnet, vielfältige lokale Akteure einbezieht und alle Bildungsformen in den schulischen Alltag integriert. Nicht zuletzt sind sie eine wichtige Säule lokaler Bildungslandschaften, indem Staat, Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sich in Verantwortungsgemeinschaften vor Ort für eine bessere Verzahnung und höhere Qualität von Bildung einsetzen. Auf der kommunalen Ebene sind neben hoch organisierten zivilgesellschaftlichen Akteuren mit Verbandsstrukturen (zum Beispiel Sportbund, freie Wohlfahrtsträger, Feuerwehr) auch viele zivilgesellschaftlichen Kräfte aktiv, die eher flexibel agieren und nur lokal oder regional identifizierbar sind, aber als freie Kräfte durch Vernetzung mit anderen Akteuren noch wirkungsvoller in ihrer Arbeit werden können.

Quellen:

(1) Annette Zimmer: Die verschiedenen Dimensionen der Zivilgesellschaft, Bundeszentrale für politische Bildung online, 2012, URL: www.bpb.de/politik/grundfragen/deutsche-verhaeltnisse-eine-sozialkunde/138713/dimensionen (Zugriff: 2.5.2018).

(2) Annette Zimmer: Vereine – Zivilgesellschaft konkret. 2. Auflage, Wiesbaden 2007, S. 204.

(3) Mariana Grgic/Thomas Rauschenbach/Christine Steiner: Das Bildungsengagement der Zivilgesellschaft. Zivilgesellschaft konkret, ZIVIZ 5/2014. Hrsg. v. Bertelsmann Stiftung, URL: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/das-bildungsengagement-der-zivilgesellschaft/ (Zugriff: 2.5.2018).

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Zuletzt bearbeitet: 18. Juni 2018