Direkt zum Inhalt

Übergang Kita-Schule

Kurzbeschreibung
Wechsel eines Kindes von der Kita in die Grundschule
Ausführliche Beschreibung

Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist eine bedeutsame Schnittstelle für die Bildungsbiografie von Kindern, da sich Entwicklungsverläufe im Positiven wie im Negativen verstärken können. Zudem ist der Übergang als Prozess zu verstehen, der weit vor dem Einschulungstermin beginnt und über diesen hinausragt.

Der Übergang Kita-Schule betrifft nicht nur die beteiligten Institutionen und das Kind selbst, sondern auch weitere Menschen und soziale Beziehungsgeflechte, insbesondere die Familien bzw. Eltern. (1)

Für das Kind ist der Übergang mit Herausforderungen verbunden, da Entwicklungen auf verschiedenen Ebenen durchlaufen werden müssen. Das Kind muss  

  • einen Identitätswechsel vom Kitakind zum Schulkind vollziehen, was mit einem Wechsel vom weitgehend selbstbestimmten Spielen zum Erwerb von Wissen und konkreten Fähigkeiten einhergeht (individuelle Ebene),
  • mit einem veränderten sozialen Beziehungsgeflecht zurechtkommen und andere Erwartungen erfüllen (interaktionale Ebene),
  • ein neues Lebensumfeld verarbeiten, etwa durch längere oder andere Betreuungszeiten, damit die Eltern ihren Arbeitsalltag bewältigen können (kontextuelle Ebene). (2)

Wenn ein Kind diese Herausforderungen erfolgreich bewältigen kann, erfährt es den Übergang als Entwicklungsaufgabe, an der es wachsen kann. Erlebt es die Herausforderungen hingegen als Überforderung, kann dieser Wechsel zu einem belastenden Bruch in der individuellen Bildungsbiografie führen. Die biografisch bedeutsamen Erfahrungen am Übergang beeinflussen den Verlauf der weiteren Bildungsbiografie und die Art und Weise, wie zukünftig mit ähnlichen Herausforderungen umgegangen wird. (3)

Deshalb ist es sehr wichtig, dass die beteiligten professionellen pädagogischen Akteure – die Erzieherinnen und Erzieher sowie die Lehrkräfte – den Übergang in gemeinsamer Verantwortung gestalten und die Kinder darin unterstützen, Schulfähigkeit zu erlangen. Hier bedarf es eines intensiven Austauschs und einer engen Kooperation zwischen Kita und Grundschule unter Einbeziehung der Eltern. So können die Erzieherinnen und Erzieher die Kinder auf den Schulbesuch zum Beispiel mit Projekten vorbereiten, die bestimmte schulrelevante Kompetenzen fördern, oder mit ihnen ein Portfolio erarbeiten, das in der Schule vorgestellt wird. Die Lehrkräfte können sich wiederum über die Kita-Arbeit informieren und durch Gespräche mit den Erzieherinnen und Erziehern und den Eltern ein Bild von den einzelnen Schülerinnen und Schülern gewinnen, um möglichen Unsicherheiten der Kinder entgegenzuwirken. Auf struktureller Ebene kann die Verständigung von Kita und Grundschule auf zentrale Schulfähigkeitskriterien die Übergangsgestaltung erheblich erleichtern. Gelingt das aufeinander bezogene Arbeiten der verschiedenen Beteiligten, können die Kinder bei der Bewältigung der Herausforderungen ihre Entwicklungspotenziale ausschöpfen und ihren Bildungsweg erfolgreich fortsetzen. (3)

Dem Übergang von der Kita in die Grundschule kommt eine zentrale Bedeutung für erfolgreiche Bildungsbiografien zu. Beide Institutionen haben die Aufgabe, die pädagogische und institutionelle Zusammenarbeit vor Ort zu stärken. Das Übergangsmanagement sollte dabei das jeweilige Kind und seine Entwicklungs- und Bildungsbiografie ins Zentrum stellen. Eine erfolgreiche Gestaltung dieses Übergangs ist auch deshalb besonders anspruchsvoll, weil zwei zuständige Systeme (Kommune und Land) korrelieren müssen. Zudem weisen die Institutionen Kita und Schule Unterschiede in den Organisationsstrukturen, aber auch in ihrer Bildungsauffassung auf, die eine Verzahnung erschwert und deshalb die Entwicklung neuer Konzepte und Strategien bei der Kooperation erforderlich macht. (4)

Dieser Begriff beschreibt einen der Bildungsabschnitte, in denen Teilhaber im Netzwerk Stiftungen und Bildung aktiv sind (siehe Nettie-Finder).

Quellen:

(1) Martin R. Textor: Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule: Eine Herausforderung für das Kind und seine Eltern. In: Martin R. Textor/Antje Bostelmann (Hrsg): Das Kita-Handbuch, URL: https://www.kindergartenpaedagogik.de/1982.html (Zugriff: 15.03.2018).

(2) Wilfried Griebel/Renate Niesel: Transitionen. Fähigkeiten von Kindern in Tageseinrichtungen fördern, Veränderungen erfolgreich zu bewältigen. Weinheim 2004.

(3) Meike Sauerhering: Denken in Bildungsbiographien, 25.3.2017. In: Frühe Bildung Online, URL: http://www.fruehe-bildung.online/artikel.php?id=1757 (Zugriff: 25.3.2018).

(4) Lenkungsgruppe TransKiGs in Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle TransKiGs/Hofmann, Jan (Hrsg.): Übergang Kita – Schule zwischen Kontinuität und Herausforderung. Materialien, Instrumente und Ergebnisse des TransKiGs-Verbundprojekts. Weimar 2009, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), URN: urn:nbn:de:0111-opus-27751 (Zugriff: 29.4.2018).

Zuletzt bearbeitet: 18. Juni 2018