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Kurzmeldung
— September 2021

Weltalphabetisierungstag am 08. September 2021: BMBF startet Aufklärung in Wartezimmern, Dachverband will Selbsthilfe stärken

Millionen Erwachsene in Deutschland können zusammenhängende Texte mit komplexeren Konstruktionen weder lesen, noch verstehen oder zu Papier bringen. Über 6 Millionen Menschen zählen zu den „funktionalen Analphabeten“, die im Privat- wie im Berufsleben viele Hürden meistern müssen. Weitere 10 Millionen Erwachsene haben größere Lese- und Rechtschreib-Schwächen (LRS). Versicherungs- oder Kaufverträge abschließen, Datenschutzerklärungen und Patientenformulare ausfüllen, Impfcodes aktivieren, Beipackzettel verstehen – für lese- und schreibkundige Menschen kann das lästig sein. Für Menschen mit ausgeprägter LRS sind es große Herausforderungen und führen häufig zu Hilflosigkeit und Scham.

Seit 2016 setzen sich Bund, Länder und ihre Partner in der AlphaDekade (2016-2026), der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (www.alphadekade.de), dafür ein, die Lese- und Schreibfähigkeiten sowie das Grundbildungsniveau Erwachsener in Deutschland zu verbessern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) startet nun im Rahmen der AlphaDekade ab Anfang Oktober eine Informationskampagne in den Wartezimmern von Arztpraxen, um gering literalisierte Menschen zu erreichen.

Ein wichtiges Instrument, um die Betroffenen aus der Vereinzelung herauszuführen und durch Erfahrungsaustausch zu ermutigen, ist die Selbsthilfe. Dieser Aufgabe widmet sich seit 2015 der Dachverband Alfa-Selbsthilfe e.V. (DAS), der Selbsthilfegruppen in Deutschland miteinander vernetzt und unterstützt (alfa-selbsthilfe.de).

Die Pandemie, so Kerstin Goldenstein, Vorstandsmitglied im Dachverband, hat den Handlungsdruck vergrößert. Die Zahl der Betroffenen steigt. „Schulunterricht fiel aus oder hat viele Kinder nicht gut erreicht. Auch die Lese- und Schreib-Kurse für Erwachsene in den Volkshochschulen mussten einige Zeit eingestellt werden.“ Dazu kommt, dass Selbsthilfegruppen auf das persönliche und physische Miteinander angewiesen sind – nicht nur im Bereich der Alphabetisierung. Dies war und ist in der Pandemie stark erschwert. Der Dachverband will nun eine speziell auf erwachsene Lerner zugeschnittene digitale Infrastruktur entwickeln und sucht dafür Unterstützung.

Über den Weltalphabetisierungstag der UN

Seit 55 Jahren rufen die Vereinten Nationen am 08. September, dem Weltalphabetisierungstag, zum Handeln auf. Weltweit können rund 680 Millionen Erwachsene keine zusammenhängenden Texte lesen oder schreiben. Die Sensibilisierung für die Ursachen und Folgen ist wichtiger denn je. Doch für Veränderungen müssen die Betroffenen gehört und beteiligt werden. Es geht um Bildungsgerechtigkeit, um Toleranz und Beteiligung, um Gestaltungschancen für Millionen Menschen.

Im Netzwerk Stiftungen und Bildung setzt sich das Grund-Bildungs-Zentrum Berlin für diese Ziele ein.

 

Zuletzt bearbeitet: 08. September 2021
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